Kölner Nachruf II: Das TimP

Und wieder schließt eine Legende des Kölner Szenelebens. Die “Künstlerklause TimP” feiert Ende Mai ihre letzte Show. Absturzkneipe, Promitreff und in jeder Nacht Tuntenprogramm von Trash bis Traum: Die Adresse am Heumarkt bot alles, was eine Kultkneipe ausmacht.

Immer eine Stunde nach Mitternacht traten Cher, Zarah, Mireille und andere auf die Bühne, als nimmermüde Beweise, wie aus mehreren Kilo Schminke sowie Halb- und Vollplaybacks ein schillerndes Programm zusammengezaubert werden kann. Erst gegen fünf Uhr am Morgen wurden die letzten Gäste aus dem Laden gekehrt, Abschied feiernde Junggesellen und typische Nachtschwärmer ebenso wie Menschen, die gerne auch die Klatschseiten von Gala, Bunte und den St. Pauli-Nachrichten bevölkern. Gefeiert wurde ohne Ruhetag, sieben Nächte in der Woche.

Als die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer (“Emma”) dem Regisseur Leander Haussmann (“Sonnenallee”) für die Arte-Reihe “Durch die Nacht mit…” Köln zeigte, war eine ihrer Stationen das TimP. Dem WDR-Jugendsender “Eins Live” war das Travestielokal eine eigene Radioreportage wert – sicherheitshalber ausgestrahlt in der Stunde vor Mitternacht. Kaum ein Touristenführer, der seine Leser nicht auf diese Adresse hinweist.

Der “Geilste Arsch der Welt” widmet dem TimP sogar eine eigene Strophe:

Woanders wär nun Sendeschluss,
In Köln ist noch das Timp ein Muss,
Wenn Fine de Cologne singt,
Die Show wo du um Gnade flehst,
Doch wenn du eine überstehst,
Dann kommst du wieder unbedingt.

Schade. Das TimP geht, und die Kölner Szenehymne wird einmal mehr ein gesungener Nachruf.

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