Manchester: CSD fürn Zehner
Manchester, Canal Street 2007 Fast wie damals: Kaum treten Homosexuelle in die Öffentlichkeit, werden umgehend Straßensperren errichtet und Polizeikontrollen durchgeführt. In Manchester passiert das allerdings nicht gegen den Willen schwul-lesbischer Aktivisten, sondern auf deren Betreiben. Zum “Manchester Pride” wird der Zutritt zum Gay Village durch Sicherheitskräfte strikt abgeriegelt. Nur wer das richtige Armband trägt, darf passieren. Alle anderen werden an umliegende Kassenhäuschen verwiesen.
Das Gay Village umfasst unter anderem die legendäre “Canal Street“, die mit ihren zahlreichen Bars, Pubs und Clubs schon lange Anziehungspunkt für englische Szenegänger und Nachtschwärmer ist. Das Ghetto wird gepflegt, hetero- oder asexuelle Unterwanderung scharf kritisiert. Große Ketten meiden daher das Viertel, ihre Filialen wurden in der Vergangenheit allenfalls ignoriert bis boykottiert.
Vorwurf: Immer weniger Geld für Selbsthilfegruppen
Immer zum letzten Wochenende im August wird das ansonsten frei zugängliche Viertel abgeriegelt. Zwischen zehn und 15 britische Pfund kostet das Armband (UPDATE: 2008 kostet das Armband bis zu 22,50 Pfund), das eine freie Passage dennoch ermöglicht – und den Träger gleichzeitig als Freund der homosexuellen Lebenskultur ausweist. Denn ablegen lässt sich das Band nur, wenn man es zerstört.
Mit diesen und weiteren Einnahmen wird der Manchester Gay Pride finanziert. Was am Ende überbleibt, fließt in HIV-, Safer Sex- und lesbisch-schwule Hilfsprojekte vor Ort. Für das Jahr 2007 haben die Organisatoren auf ihrer Homepage Details zu den Kosten und Einnahmen veröffentlicht. Die vergleichsweise offene Auslegung der Finanzen zeigt, wie kommerziell inzwischen solche Events umgesetzt werden.
Streetlife
Für die Aktivisten von Get Bent entwickelt sich der CSD damit in die falsche Richtung. Im vergangenen Jahr haben sie sich in die Parade mit einem Transparent geschmuggelt: “Too poor to be gay” (“Zu arm, um schwul zu sein”). Darüber hinaus kritisieren sie, dass das Geschäft mit dem Manchester Pride immer mehr Geld in kommerzielle Kassen spüle, für wohltätige Zwecke aber immer weniger überbleibt.
Diese freiwillige Ghettoisierung ist anfangs gewöhnungsdürftig, doch die friedliche Stimmung rund um die Canal Street spricht für sich. Ungewöhnlich, aber nicht unklug ist auch die Entscheidung, Getränke zum Gay Pride hauptsächlich in Plastikbechern auszuschenken – sie lassen sich mit nach draußen nehmen und verhindern dort ein Scherbenmeer. Gerade zu vorgerückter Stunde ist dieser Vorteil nicht zu verachten.
Szenetipps
TAURUS, 1 Canal Street
Lauschige Bar und Restaurant ganz am Anfang der Canal Street. Ideal zum Start in den Abend.
VIA, 28-30 Canal Street
Großer Pub mit kleiner Tanzfläche und traditioneller Einrichtung.
SPIRIT, 63 Richmond Street
Moderne Bar auf zwei Ebenen. Bei gutem Wetter unbedingt die Terrasse im Obergeschoss nutzen.
ESSENTIAL, 8 Minshull Street
Trendiger, moderner Club mit mehreren Dancefloors.
Mehr Adressen, Termine und Lagekarten unter www.lgf.org.uk/news/outnorthwest
Tags: CSD, England, Europa, Manchester