Sieben böse Buchstaben

Der Untergang der Stadt konnte dank schwarzer Farbe verhindert werden. Ein Kölner Szenelokal hat den angeblich einzigen hochoffiziellen, weil städtisch angemeldeten Darkroom, und darf es nicht sagen. “Fucking” stand mal draußen über der Tür, neben “Clubbing” und “Cruising“, und nichts davon war gelogen. Aber homosexueller Sex? So ganz unverblümt und öffentlich beworben? Gegenüber einer Edel-Absteige und einem Kaufhaus? Da bleiben ja die Kunden weg, und die Gäste reisen wieder ab. Solch eine Macht besitzen sieben Buchstaben. Hat man befürchtet. Und das böse Wort übermalen lassen – mit zensurschwarzer Farbe.

Alter Club und junge Mode: In Berlin geht 'ficken' auch draußen. Man mag sich das Chaos gar nicht ausmalen, wenn das Wort geblieben wäre. Busladungsweise wären Mönche und Nonnen angereist und vor dem Schild in Ohnmacht gefallen. Hotelgästen wäre vor lauter Buchen und Stornieren ganz schwindelig geworden. Das Kaufhaus hätte Bankrott anmelden müssen, mindestens. Fast alle Eltern schickten ihre Kinder sofort ins Ausland, und der verbliebene Nachwuchs dürfte nur mit verbundenen Augen auf die Straße. Und der Kardinal würde die Domglocken rund um die Uhr läuten gelassen haben – gut, und wohl auch, um seine jungen Priesteranwärter aus den Kellern und Kabinen dieses Ladens wieder zurückzubimmeln. Sieben Buchstaben hätten die Stadt ins Verderben getrieben.
Man kann sich nur wundern, dass Berlin noch steht. Von dort stammen die unteren beiden Aufnahmen. Einen Untergang habe ich mir immer anders vorgestellt.